Konstantin I. der Große (Constantinus Magnus) (Heiliger der orthodoxen Ostkirchen)

Namenstage: Konstantin

Funktion: Heiliger, römisch-byzantinischer Kaiser

Gedenktag: 21. Mai

Konstantin stammte aus Illyrien und wurde an einem 27. Februar um 285 in Naissus (heute Nis, Serbien) als Sohn des späteren Kaisers Constantius I. Chlorus, der dort stationiert war, geboren. Seine Mutter Helena (hl.), Tochter eines Gastwirts, mit der Constantius gemäß den Vorschriften für Offiziere nicht verheiratet war, war vermutlich bereits Christin.

Sein Vater wurde 293 Mitkaiser (»Caesar«) unter Maximinian im Westen und musste sich von Helena trennen und standesgemäß die Tochter des Maximinian, Theodora, heiraten. Konstantin dürfte aber weiter Kontakt zu seiner Mutter gehalten haben. Im gleichen Jahr wurde er als Geisel an den Hof Diokletians in Nikomedia (heute Izmit, Westtürkei) geschickt, ein übliches Verfahren zur Absicherung des Gleichgewichts zwischen den west- und oströmischen Kaisern.

305 flüchtete er nach Britannien zu seinem Vater, der im Jahr darauf auf einem Feldzug gegen die Pikten fiel. Das Heer rief Konstantin zum Kaiser aus, doch erst nach langen Unruhen fand man 308 eine Einigung zur Regierung des Reiches: Galerius und Licinius wurden Hauptkaiser (»Augusti«), Konstantin und Maximinus Daia Mitkaiser (mit neuem Titel »Filii Augustorum«). Daneben gab es in Rom noch den von niemandem anerkannten Usurpator Maxentius (306–12) und in der Provinz Afrika den Domitius Alexander (Usurpator 308–9).

307 trennte sich Konstantin von seiner ersten Frau Minervina, mit der er einen Sohn hatte, und heiratete Fausta, die Tochter des zurückgetretenen Kaisers Maximinian.

Nach dem Tod des Galerius, der 303 die schrecklichsten Christenverfolgungen begonnen hatte, die erst 311 endeten, war das System der geteilten Regentschaft über das Römische Reich am Ende: Jeder der verbleibenden drei Augusti strebte nach der Alleinherrschaft. Konstantin zog nach Rom und besiegte in der berühmten Schlacht an der milvischen Brücke am 28. Oktober 312 gegen eine Übermacht den Usurpator Maxentius, der in den Tiber stürzte und ertrank. Die Legende berichtet, dass Konstantin vor der Schlacht (oder bereits in Gallien) im Traum das Christus-Monogramm gesehen haben soll, das ihm den Sieg versprach (»In hoc signo vinces«), wenn er es an den Feldzeichen anbringen würde.

Licinius hatte  inzwischen seinen Mitkaiser Maximinus Daia aus dem Weg geräumt, und es kam zu einer Einigung der beiden von langen Kämpfen erschöpften Kaiser. Sie erließen 313 das Toleranzedikt von Mailand, das den Christen das Recht zur Ausübung ihrer Religion gewährte.

Zehn Jahre war es mehr oder weniger ruhig, dann brachen die Kämpfe 323 wieder aus, und Licinius unterlag 324. Konstantin verfügte seine Hinrichtung, obwohl er ihm zuvor Gnade versprochen hatte. 325 berief er das Konzil von Nicäa ein, um die Frage nach der Gottgleichheit bzw. Gottesähnlichkeit des Christus zu entscheiden. 330 machte er Byzanz zur Hauptstadt, das nach einer Übergangszeit als »Roma nova« nach seinem Tod Konstantinopel genannt werden sollte (seit der Einnahme durch die Osmanen im Jahre 1453 Istanbul). Er starb am 22. Mai 337 in Ankyron (heute Hereke bei Izmit, Türkei), nachdem er sich zuvor von Eusebius, dem Bischof von Nikomedia, hatte taufen lassen und der Kirche große Schenkungen gemacht hatte (»Donatio Constantini «). Er wurde in der Apostelkirche in Byzanz beigesetzt. Seine Reliquien gingen bei der Erstürmung der Stadt 1453 durch die Osmanen verloren.

Konstantins Bedeutung für das Christentum ist unbestritten, räumte er ihm doch im Konzil von Nicäa  die Gleichberechtigung ein, die später zum Status als Staatsreligion führen sollte. In der Ostkirche wird er als Heiliger verehrt, in der katholischen Kirche dagegen nicht. Sie hat es nie verwunden, dass er die Hauptstadt nach Byzanz verlegt hatte. Seine eigene religiöse Einstellung dürfte trotz seiner christlichen Mutter eher vom Mithraskult bzw. dem des Sonnengottes »Sol invictus« (eine Zusammenziehung mehrerer östlicher Gottheiten, u. a. Baal) geprägt worden sein, wie es für das Militär in dieser Zeit üblich war. Politische Erwägungen bestimmten sein Handeln spätestens seit seiner Ausrufung zum Kaiser 306, und wo es ihm nötig erschien, ging er ausgesprochen rücksichtslos vor. So ermordete er nicht nur alle Konkurrenten oder potentielle Aspiranten auf den Kaiserthron, sondern auch seine eigene (zweite) Frau Fausta sowie seinen Sohn aus erster Ehe, Crispus. Entsprechend erscheint sein Verhalten gegenüber den Christen: Ignorierte er sie weitgehend im heidnischen Westen, so unterstützte er sie im christianisierten Osten durch Schenkungen, Stiftungen von Kirchen usw.

Eusebius von Cäsarea, sein Hoftheologe und Biograph, dem wir die meisten Nachrichten aus seinem Leben verdanken, hebt ihn in den Himmel. Jahrhunderte später sagt dagegen Voltaire, »er sei ein politisch nicht unbegabter Krimineller« gewesen.

Darstellung: als römischer Kaiser

Attribute: Schwert, Feldzeichen mit Christusmonogramm (Labarum), Kreuz mit Inschrift »In hoc signo vinces«, Kirchenmodell

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010