Wenzel (Wenzeslaus, Václav) I.

Namenstage: Wenzel, Václav

Funktion: Heiliger, Herzog von Böhmen, Märtyrer

Gedenktag: 28. September

Patronat: Böhmen (Nationalheiliger der Tschechen)

Wenzel, geboren um 903 in Altbunzlau an der Elbe (heute Stará Boleslav nordöstlich von Prag), war der älteste Sohn des Herzogs Wratislaw von Böhmen aus dem Geschlecht der Przemysliden und dessen Gattin Drahomira. Er wurde von seiner Großmutter Ludmilla im christlichen Sinn erzogen. Nach dem Tod des Vaters 921 wurde er neuer Regent, stand aber noch unter der Vormundschaft seiner Mutter, die kurz darauf Ludmilla ermorden ließ.
Nachdem Wenzel 922 die Regierungsgeschäfte selbst übernommen hatte, milderte er die Leibeigenschaft, reformierte die Rechtsprechung, bemühte sich um die Christianisierung und kulturelle Hebung des Landes und schloss sich politisch an das Deutsche Reich an. Damit schuf er sich im böhmischen Adel viele Feinde und beschwor die Bildung einer heidnisch-nationalen Opposition unter Führung seines Bruders Boleslaw herauf. Am 28. September 929 wurde Wenzel auf der Burg in Altbunzlau im Beisein seines Bruders ermordet. Zu spät hatte dieser, der nun als Boleslaw I. Herzog von Böhmen wurde, erfahren, dass der fromme Wenzel zu seinen Gunsten abdanken und ins Kloster gehen wollte. Er bereute die Tat zutiefst, ließ den Leichnam nach Prag überführen und in der von Wenzel gestifteten Veitskirche beisetzen. Wenzels Verehrung als Märtyrer breitete sich rasch auch außerhalb Böhmens aus. Die offizielle Heiligsprechung erfolgte jedoch erst 1729 unter Papst Innozenz XIII. Wenzels Gebeine ruhen heute in der von Kaiser Karl IV. (1347–78) in Auftrag gegebenen Wenzels- Kapelle des (erst im 20. Jahrhundert fertig gestellten) Prager Veitsdoms. Reliquien von ihm liegen u. a. in Bamberg, Trier und Erfurt.

Darstellung: als Herzog im Harnisch

Attribute: Schild und grüne Fahne mit Adler; Schwert (Ermordung)

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010